Richtig gelesen. Ich verstehe wirklich gar nichts mehr. Es ist ein Phänomen , welches mich schon immer fasziniert hat: Der unbegrenzte Selbsterstörungswille des Menschen.
Für ganz normale Erdaffen ist es völlig selbstverständlich , für mich ein Rätsel , nennen wir doch ein paar Beispiele:
- Alkohol. Man könnte fast meinen , diese Flüssigkeit wäre für das irdische Leben wichtiger als Wasser. Fast schon ein bizarrer , religiöser Kult. Und ich verstehe nicht warum. Chemisch gesehen ist das Zeug ein fatales Zellgift. Und der “weise” Mensch schüttet so etwas absichtlich ununterbrochen in sich hinein. Die Folge: Ein kurzes , geiles Gefühl , aber danach kotzt man wie ein Reiher , verliert den Gleichgewichtssinn und noch viel mehr. Am Montag war mir aus irgend einem Grund speiübel. Ich habe stundenlang vor der Schüssel gekniet. Und die meisten machen so etwas jedes Wochende freiwillig durch. Mysteriös…
Gehen wir etwas genauer darauf ein. Nehmen wir meine Generation als Beispiel. Der Ethanol ist für sie fast schon etwas Sakrales. Wer keinen konsumiert gilt sofort als verdächtig , uncool , spiessig oder als Straight Edgler. Das Ganze nimmt zeitlich gesehen meist in der 6 – 7 Klasse seinen Anfang. Und hört nicht mehr auf.
Und schon nur wenige Jahre später , in meiner Generation , machen sich die ersten Auswirkungen bemerkbar. Es mag nun definitiv mein starkes und widerliches Überlegenheitsgefühl aus mir sprechen , aber wenn ich abends unterwegs bin komme ich mir fast schon wie ein erleuchtetes Alien vor , das auf einem wilden Affenplaneten notlanden musste. Der einzige normale Mensch umgeben von hirnamputierten , sabbernden Blödis. Gruselig , aber auf der anderen Seite auch sehr lustig – mit Betrunkenen kann man sehr viel Spass haben.
Trotzdem. Machen wir ein mal einen Zeitsprung. Wie geht das Ganze weiter? Man zerstört sein Leben. Punkt. Meistens läuft dies Folgendermaßen ab: Eine Großstadtbar in einer lauen Sommernacht. Mann schüttet sich schon den Ganzen Abend zu. Plötzlich kommt eine Hammersalte an die Bar , auch nicht mehr ganz nüchtern. Es kommt wie es kommen muss. Die Beiden vollziehen den Akt , gehen entweder “zu dir” oder “zu mir” und ratzen erstmal bis 12 Uhr mittags. Beim aufwachen bekommen beide einen Riesenschock , (”Scheisse , was ist das denn für ne hässliche fette Alte ?” ; “Oh Gott was ist das denn für ein alter Sack?”) als sie ihr gegenüber erblicken.
Da unsere Protagonisten auf den Luxus einiger Nanoschichten Latex verzichtet haben hat die Alte schon nen Braten in der Röhre . Nun gibt es die für Beide günstigste Variante das sich beide Beteiligten verpissen und sich ihre Wege nie mehr kreuzen. In der weniger günstigen Variante ist alles irreversibel. Notgedrungen “verlieben ” sich beide ineinander (ihre Pflicht gegenüber dem ungeborenen Kind) , ehelichen sich und das war´s dann auch schon. Den Rest kennt man ja. Die Familie beschliesst noch ein paar Plagen in die Welt zu setzen , zieht entweder in ein spiessiges Reihenhäuschen oder ein versifftes Ghettosilo und lebt dort zusammen mit ihren schwer erziehbaren Abkömmlingen ein 0815 – Versagerleben , dass in RTL , Streitereien und noch mehr Alkohol Zuflucht sucht bis endlich die Scheidung eingereicht wird oder der neue südländische Liebhaber der schwabbeligen Mutter die Familie mit einem Pizzamesser auslöscht.
Und dank wem ? Dank dem Genußmittel Alkohol.
- Nikotin. Welches Lebewesen außer dem Menschen setz sich absichtlich einer Situation aus , die einem Waldbrand gleicht? Was ist daran geil , seine Lungen mit cancerogenen Substanzen zu füllen ? Ich habe selber einen solchen Fall zu Hause , der seit einiger Zeit wieder nahezu täglich pafft. Ich kann die Dinger verstecken oder es verbieten , dann macht man es eben heimlich. Unverschämtheit. Meine Schwester und ich reden uns den Mund dusselig , aber wir könnten genauso gut einen Dialog mit der Wand führen. (Unsere Hauptmotivation dafür: Eine Schachtel kostet mittlerweile 5 Euro ; 5 x 60 = 300 Euer und was hat man ? Ne Wii. Drogen kann man kaufen , aber eine essentielle Spielekonsole für die leidenden Kinder ist ja zu teuer ! Ahhhhhhh! )
Mir fehlen noch die Erkenntnisse , was am Glimmstängel so toll sein soll. Ich habe in der 6 ten Klasse mal freiwillig an einem gezogen (ich habe es auch richtig gemacht , Keine Angst) und fand überhaupt nichts daran geil. Den Geschmack schon mal gar nicht.
Die anderen Drogen lasse ich jetzt in Ruhe , ich beschränke mich jetzt auf die 2 Volksdrogen der Menschheit. Und Hasch zu kritisieren kann ich mir nicht erlauben da verdien ich mein Geld mit
Ich würde mich über etwas Feedback freuen. Warum sauft /raucht ihr? Und das Argument “weil´s gut schmeckt ” funkt nicht , kann ich nicht nachvolziehen Bier ist bitter wie Gallensaft und Kippen stinken zum Himmel. Und auch das oft gebrachte Argument “hebt die Stimmung /macht lockerer ” zieht nicht – ist es nicht traurig , dass man sich gute Laune erst ansaufen muss?
Und nun noch zu mir: Meine Abstinenz hat mehrere Gründe.
Erstmal finanzielle . Das Zeug ist teuer. Dann ist einer meiner Opas an Lungenkrebs eingegangen. Das mag sich jetzt krank anhören , aber der hatte damals eine kleine Lurchi – Figur aus Plastik in seinem alten Mercedes auf dem Amaturenbrett – die für Salamander typisch gelbe Färbung wurde mit der Zeit blassorange durch das ganze Nikotin in der Karre. (Achja: Damals war ich 8 oder so -nach seinem Tod habe ich den Gummisalamander rituell im Blumenbeet hinter dem Haus bestattet. Dort liegt er heute noch. Wäre doch eine Idee für Stephen King!?)
Dann habe ich die Auswirkungen von Alk am eigenen Körper gespürt , mehrere Male , ich sage nur “Papa”. (Wobei es manchmal auch lustig war , wie er besoffen auf dem Wohnzimmerboden lag und eine Tube Tomatenmark leersaugte ). Sowas schreckt ab. Dann noch mein Rebellendasein zu Realschulzeiten. Meine Beziehung zu meinen Mitschülern war nicht gerade toll . Diese Schwachmaten trafen sich jeden Abend in einem ausrangierten Bauwagen und soffen sich die Hucke weg. Da ich sie ja Alle gehasst habe , tat ich immer das Gegenteil von dem was sie taten – um keinen Preis wollte ich mich mit diesen schwachsinnigen Deppen auf eine Stufe stellen.
Und dann ist da natürlich noch die Angst , dass mir ähnliches widerfährt wie in meinem obrigen Gleichniss – dass ich mit brummenden Schädel neben einer fetten , unfaßbar hässlichen Alten erwache…
Es mag sein, dass es traurig ist, dass sich manche einen antrinken müssen, um locker zu sein. Trotzdem zieht das Argument, denn auch, wenn es traurig ist, ist es Tatsache. Ich selber trinke vielleicht 2 mal im Jahr. Silvester und im Sommer ist meist auch noch ne größere Feier, auf kleinen Zusammenkünften bleibe ich eher bei Cola. Was wirkliche Besäufnisse angeht: Die gibt es in der Jugend, wo es ja im Grunde darum geht, Grenzen auszutesten. Man macht es, weil es was neues ist, weil man Erfahrung sammelt, und weil es verboten ist. Das wächst sich eher raus, die älteren, die sich oft besaufen, sind dann halt wirklich hängengeblieben und eher süchtig, würde ich sagen.
Das Gruppentrinken ist auch nicht unbedingt ein Gruppenzwang, ich finde, der Begriff Gruppendynamik trifft es eher. Es ist ja nicht so, dass sich in einer Gruppe jeder einzlne sagt “ich will das ja eigentlich garnicht”, sondern man macht das dann durchaus gerne, mit den anderen zu trinken. Das ist mir weniger suspekt als Leute, die für sich alleine trinken.
Rauchen habe ich auch nie wirklich verstanden, es gibt ja keinen Vorteil, den man hat. Hier ist es aber wirklich die körperliche Abhängigkeit, die dafür sorgt, dass man dranbleibt. Beim Anfixen leisten Werbung und Tradition “das macht man halt” ganze Arbeit. Raucher haben manchmal so ein James Dean-Selbstbild am Anfang, aber es könnte nicht weiter weg von der Realität sein.
Von: Sebastian am Juni 25, 2008
um 4:49
2 (oder auch etwas öfter bei grossen Events oder Feiertagen ) mal im Jahr sich zu besaufen halte ich auch noch für normal.
Ich wollte weniger auf pubertäres Kampfsaufen hinaus , das legt sich wieder , sondern eher darauf dass (und , ich bin mir sicher hier ist mein Heimatkaff hoffentlich wieder ein Einzelfall) seltsamerweise sich hier 20 – 25 Jährige immer noch so vollkippen wie mit 15. Und zwar richtig voll.
Normale Gespräche kann man sich dann abschreiben. Das ist wirklich schlimm hier , ich übertreibe nicht ; wie schon gesagt , in dieser Stadt gibt es keine “normalen” Menschen in meinem Alter.
Und mit normal meine ich bestimmt nicht irgendwelche intelektuellen Schnösel , sondern Menschen mit welchen man einfach ganz normal reden kann , und mit denen man auch mal abends ausgehen kann.
Aber wie gesagt ist die einzige Freizeitbeschäftigung der jungen Menschen hier entweder saufen , randalieren oder spannen…
Von: Alexander am Juni 26, 2008
um 10:48