Eines zur Sicherheit: Meine Angst vor einer bösartigen Entartung der Knochenwucherung an meinem Schulterblatt ist unbegründet.
Es ist eine Zyste/Einblutung, wie ich gehofft habe. In gewaltigen Dimensionen, 21,3 cm lang, 5,6 cm dick und 7,1 cm breit.
Nicht angenehm, sowas im Rücken zu haben, aber eigentlich hat es mich die letzten Monate überhaupt nicht gestört.
Erst jetzt, wenn man weiss, dass dort ETWAs ist, bemerke ich das Ding und habe bei jeder falschen Bewegung die Sorge, dass die Blase platzt und sich ihr gesamter Inhalt im Körper verteilt ( unbegründet; das Epithelgewebe aus dem die Wände der Zyste besteht ist afaik sehr stabil)
Man geht nun so vor, dass man während der OP die Blase erst mal punktiert (man „legt sie trocken“) wenn dies erledigt ist wird die leere schlaffe Zyste entfernt und man rückt der Wurzel allen Übels, der Exostose, zu leibe.
Die blumenkohlartige Knochenwucherung wird dabei mit einer Art Meissel von ihrer Unterlage gehämmert und das entstehende Loch mit einer Art „Knochenwachs“ ausgefüllt.
Komplikationen könnten auftreten. Einerseits verläuft in der Gegend ein wichtiger Nerv, wird dieser durchschnibbelt funktioniert die Hand zwar noch aber sie ist taub, und andererseits könnte die Götter in Weiß ausversehen ein wichtiges Gekröse unterhalb der Rippen anpiksen, was zur Folge hat dass die Lunge einschrumpelt (kein Unterdruck mehr) und ich eine sehr lange Zeit mit einem schmerzhaften Schlauch im Brustkorb und einem Attemautomat auf dem Rücken durch die Gegen latschen muss, welcher der Lunge wieder Form gibt.
„Die Chancen hierfür stehen jedoch so hoch, wie wenn jetzt auf der Heimfahrt ihr Auto gegen einen Baum knallt“ so die Ärtzin.
Da ich kein Auto habe bin ich deshalb optimistisch dass alles glatt läuft, zum Glück verfüge ich über eine sehr gute Wundheilung, in spätestens einem Jahr merk ich davon nix mehr.
Auch erfreulich ist die Tatsache, dass man mich meiner im Olgahospital annimmt, auch wenn es eigentlich ein Kinderkrankenhaus ist.
Denn erstens habe ich in Sachen Exostosenentfernung dort gute Erfahrungen gemacht, und zweitens hatte ich Angst, dass man mich in das berüchtigte Katharinenhospital schickt – das sind sadistische Metzger, ausserdem sind dort mutierte, resistente Stämme von Staphylococcus areus die dominante Lebensform, und das Schlimmste: Mein hypochondrischer Vater ist dort regelmäßig! Dort hat er auch seine Geliebte kennen gelernt.
Man stelle sich nur mal vor: Man wacht aus der Narkose auf, schaut sich um, und das erste Gesicht in welches man blickt ist in das derjenigen Person, die einem das Leben versaut hat.
Begründung des Doktors: „Wir sortieren die Patienten neuerdings alphabetisch nach Nachnamen, da sie beide den Gleichen haben, dachten wir, stekcne wir sie mal ins selbe Zimmerchen!“
Zuzutrauen wäre es diesen perversen Erben Mengeles dort, wirklich, dass sind Fleischer und der Laden ist ein Hostel …
Entfernt wird der kleine Schnuckel leider erst im September, vorher war nix frei, aber ich werde es wohl überleben, und dies ist die Hauptsache.
Ratlosigkeit hingegen herrscht immer noch bei meiner „Karriere“. Heute hab ich mich nun endlich endgültig exmatrikuliert und schaue nun auf zwei gescheiterte Studienversuche – es gibt schönere Momente.
Ich finde einfach nichts, funke alle möglichen Institute an, durchforste das Netz – nichts.
Zum aus der Haut fahren. Nun hab ich beschlossen, mal wieder irgend einen Mini-Job anzunehmen, zumindest bis zum Schlachtfest im September, Geld wächst eben nicht auf Bäumen.
Ich finde, Du solltest auf eine Narkose verzichten und die OP live twittern. Ansonsten natürlich viel Glück und was man sich da halt so wünscht.
Von: Sebastian am Juni 9, 2009
um 7:35
Irgendwie freu ich mich schon. Jo, freuen. Endlich mal wieder längere Zeit In Stuggi.
Naja, dieses Twitter hat seine Faszination bei mir sehr schnell eingebüßt.
Hab sogar meinen Usernamen vergessen. Ich meine, mit wem soll ich schon twittern?!
Von: Alexander am Juni 13, 2009
um 5:59